Kariesgruppenprophylaxe in Kindergarten und Grundschule

Die Aktionsgemeinschaft Zahngesundheit in der Landeshauptstadt Düsseldorf

Das Konzept als PDF-Download

Inhaltsverzeichnis

1. Grundlagen der Aktivitäten der Aktionsgemeinschaft Zahngesundheit in der Landeshauptstadt Düsseldorf

1.1 Partner
1.2 Gesetzliche Grundlage und Maßnahmen
1.3 Ziele
1.4 Zielgruppen

2 Pädagogische und didaktische Grundlagen

2.1 Ganzheitlich orientiertes Konzept
2.2 Wesentliche Merkmale
2.3 Aufgabenbereiche

3 Kariesprophylaxeprogramm in Düsseldorfer Kindertagesstätten

3.1 Zielgruppen und Themen
3.1.1 Erzieher*informationsgespräch
3.1.2 Elterninformationsveranstaltung
3.2 Organisation und Zeiteinsatz
3.3 Materialien und Medien

4 Die praktische Arbeit mit den Kindergartenkindern

4.1 Erster Prophylaxebesuch in der Kindertagesstätte „Die richtige Zahnpflege“
4.2 Zweiter Prophylaxebesuch in der Kindertagesstätte „Die zahngesunde Ernährung“
4.3 Dritter Prophylaxebesuch in der Kindertagesstätte „Was macht der Zahnarzt?“
4.4 Vierter Prophylaxebesuch im Mundhygienezentrum „Wir zeigen im Mundhygienezentrum, was wir in der indertagesstätte gelernt haben!“

5 Betreuung durch den Zahnärztlichen Dienst des Gesundheitsamtes der Landeshauptstadt Düsseldorf

6 Kariesrisikobetreuung

7 Unterrichtsangebot für Düsseldorfer Grundschulen

7.1 Zielgruppen und Themen
7.2 Organisation und Zeiteinsatz
7.3 Materialien und Medien
7.4 Planung und Durchführung

8 Die praktische Arbeit mit den Grundschulkindern

8.1 Erstes Grundschuljahr Unterricht „Gesundes Schulfrühstück“ und Einzelstunde „Die praktische Zahnpflege“
8.2 Zweites Grundschuljahr Doppelstunde „Zahnwechsel, Bau, Funktion und Leistung der Zähne“ und „Warum drei Minuten Zähne putzen?“
8.3 Einzelstunde „Die zahngesunde Ernährung“
8.4 Drittes Grundschuljahr Doppelstunde „Zahnaufbau“ und „Kariesentstehung und Folgen unbehandelter Zahnschäden“
8.5 Einzelstunde „Ernährung“
8.6 Viertes Grundschuljahr „Die vier Säulen der Zahngesundheit“ und „Der Zahnarztbesuch“
8.7 Einzelstunde „Zucker, der Feind meiner Zähne“

9 Kooperation mit niedergelassenen Zahnärzten

10 Kariesrisikobetreuung

11 Die Arbeit in der Offenen Ganztagsschule – OGS

12 Sonstige Aufgaben

 

1. Grundlagen der Aktivitäten der Aktionsgemeinschaft Zahngesundheit in der Landeshauptstadt Düsseldorf

1.1 Partner

Die 1986 gegründete Aktionsgemeinschaft Zahngesundheit Düsseldorf ist ein freiwilliger Zusammenschluss

  • der gesetzlichen Krankenkassen und der Ersatzkassen in Düsseldorf
  • der Zahnärztekammer Nordrhein (ZÄK) sowie der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Nordrhein (KZV)
  • und des Gesundheitsamtes der Landeshauptstadt Düsseldorf.

Die Geschäftsführung der AG Zahn liegt beim Gesundheitsamt,
Kölner Straße 180, 40227 Düsseldorf.

1.2 Gesetzliche Grundlage und Maßnahmen

Ziel der AG Zahn ist die flächendeckende und regelmäßige Durchführung der Gruppenprophylaxe in Kindergärten und Grundschulen sowie die Sicherstellung der Intensivprophylaxe für Grundschüler, Schüler an Förderschulen und Hauptschüler mit erhöhtem Kariesrisiko.
Die gesetzliche Grundlage beruht auf den Vorgaben des §21 SGB V, Verhütung von Zahnerkrankungen (Gruppenprophylaxe).
Die Vorgaben des Gesundheitsreformgesetzes vom 01.01.1989, den Änderungen durch das Gesundheitsstrukturgesetz am 01.01.1993 und der GKV-Gesundheitsreform zum 01.01.2000 gaben der bereits 1986 gegründeten Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit nachträglich die gesetzliche Bestätigung ihrer Aktivitäten.

Die gruppenprophylaktischen Maßnahmen beinhalten:

  • Mundhygiene
  • Zahnschmelzhärtung
  • Ernährungsberatung
  • Motivation zum regelmäßigen Zahnarztbesuch

1.3 Ziele

Die Ziele der Aktivitäten sind:

  • die Zielgruppen zu motivieren, zahngesundes Verhalten zu erlernen
  • das Verhalten zu Gunsten der Zahngesundheit zu verändern
  • positive Verhaltensweisen zu stabilisieren, um langfristig Zahnerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen zu verhindern.

1.4 Zielgruppen

Zielgruppen sind Kindergartenkinder, Schülerinnen und Schüler.
Hinzu kommen Eltern, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer.
Diese unterstützen als Multiplikatoren mit ihrem Wissen und einer positiven Einstellung zur Zahngesundheit die Kinder in ihrem Verhalten und tragen damit wesentlich zum Erfolg der Gruppenprophylaxe bei.

2 Pädagogische und didaktische Grundlagen

2.1 Ganzheitlich orientiertes Konzept

Um die gesetzten Ziele zu erreichen und zu halten, müssen alle in der Gruppenprophylaxe Tätigen:

  • Interesse wecken = motivieren
  • Wissen vermitteln = informieren
  • zum Handeln anregen = praktizieren
  • Einsicht gewähren = integrieren
  • Gewöhnung fördern = stabilisieren

Diese Punkte zu berücksichtigen, aber auch die altersgerechte Auswahl von Themen, Lernformen, Materialien und Medien entsprechen einem ganzheitlichen Konzept von Lernen.
Das Kind, der Jugendliche und der oder die Erwachsene werden in ihrer gesamten Wahrnehmung angesprochen: Lernen mit Kopf, Herz und Hand!

2.2 Wesentliche Merkmale

Eine erfolgreiche Gruppenprophylaxe sollte

  • früh beginnen. In früher Kindheit erlerntes Verhalten ist äußerst änderungsresistent und wird beibehalten.
  • positiv motivieren. spielerisch, die Lernfreude verstärkt durch anregendes Zähneputzen positives Verhalten.
  • sich Zeit nehmen. Sich und dem Kind Zeit lassen um die Möglichkeit zu geben eine Beziehung aufzubauen, die das Lernen unterstützt.
  • langfristig angelegt sein. Verhalten bedarf es an Training. Mundhygiene und Ernährungsverhalten sind ein lebenslanges Lernprinzip.
  • Flächendeckung schaffen.
  • Kontinuität gewährleisten.
  • Gruppenarbeit beinhalten. In der Gruppe hat das Kind die Möglichkeit, von anderen Kindern zu lernen. Der Reiz, vor-, nach- und mitzumachen fördert die Motivation. Zudem bietet die Gruppe Rückzugsmöglichkeiten und gibt Sicherheit.
  • Vorbildfunktion fördern. Die Mundhygiene des Kindes wird entscheidend durch seine Bezugspersonen geprägt. Haben sie eine positive Einstellung zur Zahngesundheit, wird sich diese auf das Kind übertragen.

2.3 Aufgabenbereiche

Im Jahr 2024/2025 werden folgende Bereiche von 17 Kariesprophylaxefachkräften und dem Zahnärztlichen Dienst des Gesundheitsamtes betreut:

  • 390 Kindertageseinrichtungen
  • 87 Grundschulen an 92 Standorten
  • 7 Förderschulen an 10 Standorten
  • 1 Hauptschule
  • 1 Gesamtschule


3 Kariesprophylaxeprogramm in Düsseldorfer Kindertagesstätten

3.1 Zielgruppen und Themen

Das Prophylaxeprogramm richtet sich an die 0-6-jährigen Kinder, deren Erzieher*innen und Eltern.

Je nach Zielgruppe – zeitlich und inhaltlich variierend – werden die folgenden 4 Themen besprochen:

  • Mundhygiene
  • Zahnschmelzhärtung
  • Ernährungsberatung
  • Motivation zum regelmäßigen Zahnarztbesuch

3.1.1 Erzieher*informationsgespräch

Vor der Durchführung eines Prophylaxeprogramms findet ein persönliches Vorgespräch (1) mit der Leitung der Kindertagesstätte bzw. mit den Erzieher*innen statt. Dieses dient der Terminabsprache, der Darstellung der einzelnen Programmpunkte, gibt Informationen über den inhaltlichen und zeitlichen Ablauf sowie einen Überblick über die zum Einsatz kommenden Medien und Materialien. Es bietet Gelegenheit, eine inhaltliche Absprache der Themen für die Elternveranstaltung zu treffen. Der/die Kariesprophylaxeberater*in berücksichtigt dabei die individuellen Gegebenheiten in der Einrichtung, Wünsche der Erzieher*innen und ggf. aktuelle Probleme, um optimale Arbeitsbedingungen für die pädagogische Arbeit vorzufinden. Für den Erfolg der Prophylaxearbeit ist die Unterstützung und Mitarbeit des Teams der Kindertagesstätte entscheidend. Das bedeutet einerseits, dass die Erzieher*innen zahngesundes Verhalten praktizieren, es an die Kinder weitergeben und so zur Selbstverständlichkeit werden lassen.

Es bedeutet aber auch, fachlich optimal informiert zu sein.
Für jede Einrichtung besteht deshalb vor jedem neuen Prophylaxezyklus, im Abstand von 1 ?-2 Jahren, ein mögliches Angebot eines Informationsgespräches (2), um die Erzieher*innen wiederholt intensiv zu beraten und auf dem aktuellen Wissensstand zu halten. Es wird sowohl für das gesamte Erzieher*innenteam angeboten, kann sich aber auch an nur einige Mitarbeiter*innen richten, die dann als Multiplikatoren ihr Wissen weitergeben.
3.1.2 Elterninformationsveranstaltung

Auf Wunsch der Kindertagesstätte oder nach Bedarf findet eine Elterninformationsveranstaltung (3) in Form eines Elternvormittages, -nachmittags oder -abends statt. Diese richtet sich an ein größeres Publikum; Dauer ca. 2 Stunden. Es ist mit den Erzieher*innen abzuwägen, ob die Veranstaltung vor, während oder nach der Durchführung des Prophylaxeprogramms mit den Kindern angeboten wird. Neben der Vorstellung der eigenen Person und der begleitenden Handpuppe (Mikki oder Fred) gibt der/die Kariesprophylaxeberater*in einen kurzen Überblick über Entstehung, Entwicklung, Aufgaben, Ziele und Partner der AG Zahn. Danach stellt sie ihre Arbeit mit den Kindern vor. Dies ist für die Eltern besonders wichtig, da diese sich oft über veränderte Putz- oder Essgewohnheiten ihrer Kinder wundern, das Verhalten aber nicht zuordnen können. Im Anschluss informiert der/die Kariesprophylaxeberater*in über die Inhalte der vier Säulen der Zahngesundheit. Auch für Erwachsene gilt: Lernen mit Kopf, Herz und Hand. Jeder /jede Kariesprophylaxeberater*in verfügt über einen umfangreichen Fundus an Materialien und Medien, mit denen die theoretischen Inhalte anschaulich und interessant dargestellt werden können. So ist es für die Eltern z.B. weitaus eindrucksvoller, die Platzhalterfunktion der Milchzähne am Wechselgebissmodell zu entdecken, als nur über ein Bild und entsprechende Erklärungen.
Die in Form von Zuckerstücken abgezählte und dargestellte Menge an Zucker in gesüßten Nahrungsmitteln und Getränken erstaunt die Eltern viel mehr, als nur eine Zahl und bleibt in Erinnerung.
Alternativ: Elterninformationsstand

Eine andere Möglichkeit der Elterninformation oder -kontaktaufnahme ist ein Informationstisch während der Bring- oder Abholzeiten. Die Absprache des Zeitrahmens erfolgt über die Einrichtungsleitung in Abgleich mit den dienstlichen Belangen. Der Elterninformationsstand hat den Vorteil, dass für Eltern keine extra Termine anstehen und diese niedrigschwellig auf das Angebot zurückgreifen können. Insbesondere Eltern mit wenig Zeit haben so die Möglichkeit, einige für sie relevante Themen ansprechen, da sie den Umfang der Beratung selbst bestimmen.
Die Erfahrung hat gezeigt, dass in dieser Einzel- oder Kleingruppenberatung Eltern offener sind, individuelle Probleme darzustellen und sich beraten zu lassen.

3.2 Organisation und Zeiteinsatz

Jede Kindertagesstätte hat seinen/ihren eigenen/eigene Kariesprophylaxeberater*in.
Jeder/Jede Kariesprophylaxeberater*in hat seine/ihre festen Betreuungsbezirke.
Jeder/Jede Kariesprophylaxeberater*in plant individuell und eigenverantwortlich im Rahmen des für alle Mitarbeiter*innen vorgegebenen Konzeptes.
Sämtliche Aktivitäten und Kontakte werden schriftlich fixiert, sowohl für die eigene Buchführung, Vor- und Nachbereitung als auch für die Statistik.

Jede Einrichtung wird flächendeckend im Rhythmus von 1 ?-2 Jahren besucht.
Pro Prophylaxezyklus bedeutet das:

  • 1 Vorgespräch = ca. 30 Minuten
  • 1 Erzieher*information = zwischen 15 Minuten und einer Stunde
  • 1 Elterninformationsveranstaltung = ca. 2 Stunden
  • 1 Elterninformationstand = ca. 1-2 Stunden
  • 3 Vormittage pro Kindergartengruppe in der Einrichtung = mit jeweils ca. 2,5-3 Stunden pro Prophylaxeangebot
  • Wahlweise bei einem auf ca. 1,5 Stunden gekürztem Prophylaxeangebot mit Beginn im Sitz-/Stuhlkreis sollte eine weitere Kitagruppe ein Angebot erhalten
  • 1 Vormittag pro Kindergartengruppe im Mundhygienezentrum = 2,5 Stunde

3.3 Materialien und Medien

Im Zuge der Digitalisierung und nach Corona wurden auf der Webseite der Aktion Zahngesundheit kleine Videos wie Reinigung der Zahnbürste, Beispiele für eine ordnungsgemäße Lagerung von Zahnbürsten, Fotos geeignete Kinderzahnbürsten, (interaktive) Spiele wie u.a. Learning Snacks, Ausmalbögen, Zahnputzreime, Zahnputzpläne sowie fachliche und allgemeine Themen rund um die Zahngesundheit inklusive Links zu relevanten Webseiten für Eltern, Kita- und Schulmitarbeitende zur Verfügung gestellt.

Während eines Prophylaxezyklus erhält jedes Kind:

  • eine Zahnbürste für die Zahnpflege im Kindergarten
  • eine KAI – Zahnputzanleitung
  • eine Sanduhr

Die Handpuppe Mikki oder Fred, das Düsseldorfer Zahnputzkrokodil, ist das Markenzeichen der AG Zahn bzw. der 17 Kariesprophylaxeberater*innen und hat einen hohen Wiedererkennungswert bei Kindern und Erwachsenen.
Für die pädagogische Arbeit ist es ein wichtiges Medium, Kinder mit Freude zur Zahngesundheit zu motivieren.
Über die Jahre entstand zudem ein umfangreicher zielgruppengerechter Fundus an Materialien und Medien, der stets weiterentwickelt wird.
Themenbezogen werden z.B. eingesetzt:

  • Spiele (Würfelspiele, Memorys, Puzzles usw.)
  • Bildergeschichten und Bilderbücher
  • Folien und Poster
  • Zahn- und Gebissmodelle
  • Zahnpflegeutensilien
  • Lebensmittelattrappen
  • Zahnarztinstrumente
  • Informationsblätter und -broschüren
  • Mal- und Arbeitsblätter
  • Lieder und Bewegungsspiele.

Ein großer Teil der Spiele, Bildergeschichten und digitalen und/oder gedruckten Medien wird innerhalb des Teams eigenständig entworfen und hergestellt.
Einige Medien sind ganz speziell auf eine Zielgruppe zugeschnitten, andere sind so entwickelt bzw. ausgesucht, dass sie variabel für die unterschiedlichsten Zielgruppen alters- und situationsgerecht eingesetzt werden können.
4 Die praktische Arbeit mit den Kindergartenkindern

Bei allen Besuchen der Kariesprophylaxeberater*in in der Kindertagesstätte ist im Regelfall folgender Ablauf vorgesehen:

  • 8.30 Uhr Ankunft
  • 8.30 bis 9.15 Uhr Aufwärmphase, Vorbereitungsphase
  • Kontaktaufnahme zu den Kindern, Gespräche mit den Erzieher*innen, Anwesenheit beim Frühstück
  • 9.15 Uhr Erarbeitung des Themas im Sitz-/Stuhlkreis oder in Kleingruppen, Einsatz der Handpuppe und entsprechender Medien und Materialien
  • 10.00 Uhr Praktische Zahnpflege in kleinen Gruppen in Anleitung durch den/die Kariesprophylaxeberater*in (ab ca. 2,5-3 Jahren möglich)
  • 11.15 Uhr Verabschiedung mit Ankündigung des nächsten Besuches
  • Die Besuche in der Einrichtung erfolgen möglichst zeitnah aufeinander folgend und aufbauend. Die Fahrt ins Mundhygienezentrum findet 3 bis 4 Wochen nach dem letzten Besuch in der Kindertagesstätte statt. So können die Kinder das Gelernte verarbeiten. Die Erzieher*innen haben ausgiebig die Möglichkeit, die Themen mit den Kindern nachzuarbeiten und zu vertiefen.

4.1 Erster Prophylaxebesuch in der Kindertagesstätte „Die richtige Zahnpflege“

Inhalte und Ziele
Beim ersten Besuch steht die Notwendigkeit des Zähneputzens im Vordergrund.
Mit den Kindern wird dieses Thema spielerisch im Stuhlkreis/ Sitzkreis erarbeitet.

Beispiel:
Mikki/ Fred hat seine Tasche für den heutigen Tag gepackt, weil er mit den Kindern Zähne putzen möchte. Nach und nach werden diese Sachen von den Kindern aus der Tasche geholt. Neben den gebräuchlichen Dingen für die Zahnpflege (Zahnbürste, Zahnputzbecher, Zahnpasta, KAI – Poster, Sanduhr, Spiegel) hat Mikki/ Fred auch „Quatschsachen“ eingepackt. Eine Spülbürste zum Zähneputzen oder Schokocreme als Zahncreme.
Über das Spiel erarbeitet der/die Kariesprophylaxeberater*in die Ziele mit den Kindern.

Die Kinder

  • wissen, dass die Zähne nach dem Essen geputzt werden, um Essensreste und Bakterien zu entfernen.
  • wissen, welche Dinge wir zum Zähneputzen brauchen und können sie benennen.
  • lernen, dass die Zähne bei mangelnder Pflege Karies bekommen können.

Im Anschluss wird die praktische Zahnpflege im Waschraum in Gruppen von drei bis vier Kindern geübt. Hier kann der/die Kariesprophylaxeberater*in ihre Ziele vertiefen und erweitern. Nach dem Putzen können die Kinder im Spiegel selber nachschauen, ob die Zähne nun glänzen und frei von Belägen sind.

Die Kinder

  • sehen und fühlen, dass Nahrungsreste auf den Zähnen haften bleiben.
  • erkennen, dass die Zähne durch das Putzen sauber und glatt werden.
  • lernen den Gebrauch und richtigen Umgang mit den Zahnputzutensilien.
  • lernen die gesamte Abfolge des Zähneputzens.
  • putzen die Zähne drei Minuten auf allen Flächen nach der KAI -Technik.
  • erfahren, dass geputzte Zähne sich gut anfühlen.

4.2 Zweiter Prophylaxebesuch in der Kindertagesstätte „Die zahngesunde Ernährung“

Inhalte und Ziele
Beim zweiten Besuch wird die Ernährung thematisiert.

Im Vorgespräch mit den Erzieher*innen wurde die Zubereitung eines möglichst gemeinsamen, zahngesunden Frühstücks geplant. Die Zutaten wurden über die Einrichtung bereits eingekauft und werden nun von dem/der Kariesprophylaxeberater*in mit einigen Kindern für das spätere gemeinsame Frühstück nach dem Stuhlkreis/Sitzkreis zubereitet.

Jetzt werden einige Ziele des heutigen Tages erarbeitet. Dazu stehen je nach äußeren Bedingungen in Rücksprache mit der Einrichtungsleitung folgende Möglichkeiten der Umsetzung zur Verfügung:

  • gemeinsames Frühstück mit den Nahrungsmitteln, die die Kinder von zuhause mitbringen.
  • gemeinsames Frühstück mit den Nahrungsmitteln, die die Einrichtung zur Verfügung stellt.
  • gemeinsames Frühstück mit Nahrungsmitteln, die zusammen zubereitet werden.

Nach dem Frühstück werden in kleinen Gruppen die Zähne geputzt.

Im Anschluss kommen alle Kinder im Stuhl-/ Sitzkreis zusammen und anhand eines Ernährungsspieles wird erarbeitet, welche Nahrungsmittel die Zähne stark und welche die Zähne schlappmachen. Dies geschieht z.B. über ein „Zuordnungsspiel“, bei dem Lebensmittelattrappen nach „gesund“ und „ungesund“ sortiert werden oder über ein „Ernährungspuzzle“.

Die Kinder

  • können Nahrungsmittel erkennen und benennen.
  • lernen den Umgang mit bestimmten Nahrungsmitteln und deren Verarbeitung.
  • können einzelne Nahrungsmittel den Nahrungsmittelgruppen zuordnen.
  • wissen, dass die vorliegenden Nahrungsmittel für die Zähne und den Körper gesund sind.

Die Kinder

  • lernen, gesunde und ungesunde Nahrungsmittel zu unterscheiden.
  • wissen, dass Zucker Karies verursachen kann.
  • wissen, dass Süßigkeiten nur in Maßen gegessen werden sollten.
  • lernen, dass gesunde Nahrungsmittel den ganzen Körper gesund halten.

Vor dem Stuhlkreis/Sitzkreis wird ausgiebig gefrühstückt, ohne Zeitdruck an einem nett gedeckten Tisch. In dieser Atmosphäre und der Gemeinschaft probieren erfahrungsgemäß auch die Kinder gesunde Nahrungsmittel, wie z.B. Rohkost oder Vollkornbrot, die dies bisher ablehnten oder tatsächlich gar nicht kannten.

4.3 Dritter Prophylaxebesuch in der Kindertagesstätte „Was macht der Zahnarzt?“

Inhalte und Ziele
Beim dritten Besuch in der Gruppe wird in einem Rollenspiel der Besuch beim Zahnarzt thematisiert.

Mikki/ Fred war zur regelmäßigen Kontrolle beim Zahnarzt und durfte einige Zahnarztinstrumente und kleine Kittel mit in die Kindertagesstätte bringen.
Name und Funktion der Instrumente sowie der Ablauf einer Behandlung werden besprochen. Im anschließenden Rollenspiel dürfen die Kinder selbst einmal Zahnarzt, Zahnmedizinische Fachangestellte oder Patient sein.

Die Kinder

  • wissen, dass die Zähne zweimal im Jahr kontrolliert werden sollen.
  • können die vorliegenden Zahnarztinstrumente benennen und kennen deren Funktion.
  • verlieren durch das Anfassen und Anwenden der Instrumente im Rollenspiel den oft negativ besetzten Respekt und entwickeln Neugierde.

Auch bei diesem Besuch werden wieder unter Anleitung des/der Kariesprophylaxeberater*in die Zähne geputzt.

4.4 Vierter Prophylaxebesuch im Mundhygienezentrum „Wir zeigen im
Mundhygienezentrum, was wir in der Kindertagesstätte gelernt haben!“

Inhalte und Ziele
Zeitlicher Ablauf:

Abfahrt von der Kindertagesstätte aus zeitlich individuell (alle Fahrten erfolgen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, Fahrkarten für die Begleitpersonen werden von der AG Zahn auf Anfrage finanziert)

  • 9.15 Uhr Ankunft im Mundhygienezentrum (MHZ), Begrüßung, kurze Information über die Räumlichkeiten und den Ablauf des Besuches
  • 9.20 Uhr Stuhlkreis
  • 9.50 Uhr Gemeinsames Frühstück
  • 10.15 Uhr Praktische Zahnpflege
  • 11.00 Uhr Besichtigung einer Zahnarztpraxis im MHZ
  • 11.30 Uhr Rückfahrt Kindertagesstätte

Der Abschluss eines Prophylaxezyklus findet in einem der zwei Mundhygienezentren statt.
Hier werden die Inhalte, der in der Kindertagesstätte bearbeiteten Themen noch einmal spielerisch abgerufen und gefestigt. Der/die Kariesprophylaxeberater*in kann für sich überprüfen, ob ihre Lernziele erreicht wurden.
Die Ausstattung der Mundhygienezentren bietet den Kindern, Erzieher*innen und dem/der Kariesprophylaxeberater*in optimale Lern– und Arbeitsbedingungen.
Genügend Platz im Waschraum, Spiegel an jedem Waschbecken, der Gang durch den Kariestunnel und der Besuch in einer Zahnarztpraxis, in der Zahnarztstuhl und Instrumente richtig funktionieren, hinterlassen einen tiefen Eindruck. Oft erzählen die Schüler*innen noch in der vierten Klasse von ihren Erlebnissen.

5 Betreuung durch den Zahnärztlichen Dienst des Gesundheitsamtes der Landeshauptstadt Düsseldorf

Dem/Der Leiter*in des Zahnärztlichen Dienstes obliegt zugleich die Leitung des gesamten Prophylaxeteams.

Zudem sind vier bis fünf Zahnärzteteams (Zahnärzt*in und Zahnmedizinische Fachangestellte/Zahnmedizinische Prophylaxeassistent*in) im Rahmen der Gruppenprophylaxe zuständig für:

  • flächendeckende Vorsorgeuntersuchungen,
  • Fluoridierungsmaßnahmen in Risikoschulen,
  • statistische Auswertungen,
  • Ermittlung der Kariesrisikogruppen,
  • Beratung von Familien und Kindern aus verschiedenen Lebenslagen mit Unterstützungs- oder Hilfebedarf,
  • Durchführung von Elternberatungen, zahnärztlichen Untersuchungen auf Anfrage oder bei prekären Familiensituationen/Unterstützungsbedarf (Verdacht auf Vernachlässigung)

Die Auswertung der Ergebnisse der zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchungen und der Vergleich über Jahre ermöglichen es, konkrete Aussagen über die erfolgreiche Prophylaxearbeit in Düsseldorf zu machen.

6 Kariesrisikobetreuung

Kindertagesstätten, bei denen die praktische Zahnpflege vor Ort durchgeführt wird und im Rahmen der zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchungen ein vermehrtes Kariesaufkommen bei den Kindern ermittelt wurde, erhalten neben dem „Basisangebot“ eine intensivere Betreuung durch den/die Kariesprophylaxeberater*in durch:

  • häufigere Kontakte und
  • Versorgung mit Zahnbürsten und fluoridierter Kinderzahnpasta in regelmäßigen Abständen.

7 Unterrichtsangebot für Düsseldorfer Grundschulen

7.1 Zielgruppen und Themen

Das Unterrichtsangebot richtet sich in erster Linie an die 6 – 12-jährigen Grundschüler*innen und deren Lehrer*innen, aber auch an sozialpädagogische Fachkräfte, die in zunehmendem Maße zur Unterstützung der Lehrkräfte während des Unterrichtes anwesend sind.

Thematisch orientiert sich das Unterrichtsangebot an den vier Säulen der Kariesprophylaxe:

  • Mundhygiene
  • Zahnschmelzhärtung
  • Ernährungsberatung
  • Motivation zum regelmäßigen Zahnarztbesuch.

7.2 Organisation und Zeiteinsatz

Jede Grundschule hat seinen/ihre eigenen/eigene Kariesprophylaxeberater*in.
Jeder/Jede Kariesprophylaxeberater*in hat ihre festen Betreuungsbezirke.
Die Aufteilung der Schulen erfolgt nach Möglichkeit so, dass in einem Stadtteil sowohl die Kindertagesstätten als auch sämtliche Grundschulen von demselben/derselben Mitarbeiter*in besucht werden, um eine langfristige Betreuung des Kindes durch nur einen Ansprechpartner zu erreichen.
Jeder/Jede Kariesprophylaxeberater*in plant individuell und eigenverantwortlich im Rahmen des für alle Mitarbeiter*innen verbindlichen Konzeptes.
Sämtliche Aktivitäten und Kontakte werden schriftlich fixiert (die Vorgehensweise ist in den QM-Dokumenten hinterlegt).

Jede Schule wird flächendeckend im jährlichen Rhythmus betreut.
Pro Prophylaxezyklus bedeutet das

  • 1 telefonische/schriftliche Terminabsprache mit der Sekretärin/Schulleitung = ca. 10 Minuten
  • 1 Doppelstunde pro Schuljahr und Klasse = 1 1/2 Stunden
  • 1 Einzelstunde pro Schuljahr und Klasse = 45 Minuten

Bei allen Besuchen des/der Kariesprophylaxeberater*in in der Grundschule ist im Regelfall folgender Ablauf vorgesehen:

  • 7:35 bzw. 7:55 Uhr: frühstmöglicher Beginn/Ankunft
  • Ankunftszeit bis Unterrichtsbeginn: Kontaktaufnahme mit Sekretariat, Aufbau im Raum
  • 8.00 oder 8:15 Uhr: Erarbeitung des Themas im Klassenraum gemäß Gruppenprophylaxekonzept, Einsatz der Handpuppe und entsprechender Medien und Materialien. Unterrichtseinheiten mindestens 3 bis maximal 4 Schulstunden, entsprechend maximal 3 Stunden plus 1x 30 Minuten Schulpause

Verabschiedung mit Ankündigung des nächsten Besuches
Die Besuche in der Einrichtung erfolgen möglichst zeitnah aufeinanderfolgend und aufbauend.
Die Besuche werden mit der Schule so geplant, dass der/die Kariesprophylaxeberater*in an einem Vormittag mindestens drei, in der Regel vier Unterrichtsstunden erteilt.

7.3 Materialien und Medien

Auch wenn das Handpuppenspiel mit zunehmendem Alter der Schüler*innen immer mehr in den Hintergrund tritt, wird das Zahnputzkrokodil zu jedem Unterrichtsbesuch mitgebracht.
Mikki/ Fred ist auf jeden Fall bei der Begrüßung der Kinder dabei und bleibt ein hilfreiches Medium, den Einstieg in das jeweilige Thema zu finden.
Um einen interessanten, lehrreichen und anschaulichen Unterricht zu gestalten, kann der/die Kariesprophylaxeberater*in aus einer Vielzahl an alters- und entwicklungsgerechten Materialien und Medien wählen.

Themenabhängig werden z.B. eingesetzt:

  • Zahnputzmodell
  • Wechselgebissmodell aus Plexiglas
  • großes Backenzahnmodell
  • Taschenspiegel
  • Lebensmittelattrappen
  • Fluoridtest (Ei und Fluorid auf der Schale)
  • Zucker-Demo
  • Tierzähne
  • Zahnarztinstrumente
  • Spiele
  • Bildergeschichten
  • digitale Dateien, die in der digitalen Tafel/via Tablet der Schulen bearbeitet werden
  • Arbeitsblätter und Rätsel.

Ein großer Teil der Spiele, Bildergeschichten, Rätsel und Arbeitsblätter entstand innerhalb des Teams. Fortbildungsveranstaltungen, der regelmäßige Austausch mit anderen Arbeitskreisen, Anregungen von Lehrer*innen geben zudem immer wieder Impulse, neue Ideen für einen guten Unterricht zu finden, zu prüfen und praktisch umzusetzen.

7.4 Planung und Durchführung

Die Planung einer Schulstunde erfordert von dem/der Kariesprophylaxeberater*in ein hohes Maß an Flexibilität, die Durchführung mitunter sehr viel Spontanität.
Die Schülerzahl sowie die Zusammensetzung der Lerngruppe, die Größe des Klassenraumes, die bestehende Sitzordnung, der Zeitpunkt des Prophylaxebesuches im laufenden Schuljahr, aktuelle Probleme an der Schule oder in der Klasse sind nur einige Bedingungen, auf welche der/die Mitarbeiter*in keinen Einfluss hat.
Vor jedem Prophylaxezyklus kann je nach Bedarf oder Gebiet ein Vorgespräch stattfinden, in dem viele Fragen zur konkreten Situation an der Schule oder in der Klasse besprochen werden. Auf dieser Basis kann der/die Kariesprophylaxeberater*in ihren Unterricht inhaltlich und didaktisch planen.
Eine gute Durchführung des Unterrichtes sollte dem ganzheitlich orientierten Konzept entsprechen: Lernen mit Kopf, Herz und Hand!
Das bedeutet für den/die Kariesprophylaxeberater*in, dass sie u.U. von ihrer ursprünglichen Planung abweicht, um den aktuellen Bedingungen vor Ort und vor allem den Schülerinnen und Schülern gerecht zu werden.
Erfahrung mit wechselnden Lern- und Arbeitsformen, ein reicher Fundus anschaulicher Materialien „zum Anfassen“, flexibel einsetzbare Rollenspiele, Lieder, Sprachreime und Bewegungsspiele bilden in ihrer Gesamtheit die Grundlage, um die vorgegebenen Themen zu erarbeiten und die gesetzten Ziele zu erreichen.

8 Die praktische Arbeit mit den Grundschulkindern

Pro Schuljahr und Klasse sind zwei Unterrichtseinheiten (bestehend aus einer Doppelstunde und eine Einzelstunde) vorgesehen.
Die erste umfasst eine Doppelstunde, in der neben den theoretischen Themen auch immer die praktische Zahnpflege durchgeführt wird.
Zeitnah wird an einem der darauffolgenden Tage eine Einzelstunde unterrichtet. Die Schüler*innen und Lehrer*innen können in der Zwischenzeit die Unterrichtsinhalte verarbeiten und vertiefen.
Eine kurze Wiederholung zu den Inhalten der Doppelstunde zeigt, ob die gewünschten Lernziele erreicht sind. Danach wird ein neues Thema bearbeitet.
Alternativ können die drei Schulstunden im Rahmen von Stationsarbeit gestaltet werden, diese spezielle Unterrichtsvariante ist zu dokumentieren.
8.1 Erstes Grundschuljahr Unterricht „Gesundes Schulfrühstück“ und Einzelstunde
„Die praktische Zahnpflege “

Inhalte und Ziele
Im ersten Schuljahr werden die Kinder bewusst über das Thema eines gesunden Schulfrühstücks aufgeklärt und unterrichtet, um die Grundlage für durch die Eltern gesund befüllte Brotdosen zu bieten.
Der/die Kariesprophylaxeberater*in unterstützt die Lehrerinnen und Lehrer in ihren Bemühungen um ein gesundes Schulfrühstück.

Zu Beginn der Stunde, nach Möglichkeit in einem Stuhl- oder Sitzkreis, wird mit den Kindern mittels eines Ernährungsspieles oder einer Bildergeschichte erarbeitet, welche Nahrungsmittel für die Zähne gesund sind bzw. welche ihnen schaden und welche Nahrung der Körper braucht, um gesund zu bleiben.

Beispiel:
Die Bildergeschichte „Mikki geht einkaufen“ erzählt von Mikkis Überlegungen, was die Kinder für ein gesundes Schulfrühstück brauchen, um fit und gesund zu bleiben und gut lernen zu können. Also macht er sich auf den Weg in die Bäckerei, den Supermarkt, den Obst- und Gemüseladen, um alle Zutaten einzukaufen. Mit den Kindern wird zusammen anhand der Inhalte des Frühstücks aus der kindereigenen Brotdose besprochen, was gesund ist, anhand von Beispielen (Frühstück zum Knacken, Gurke, Möhre, gesundes Brot, zuckerfreier Brotbelag, Inhalte der Trinkflasche). Im Anschluss frühstücken die Kinder gemeinsam in der Klasse an den Tischen ihr mitgebrachtes Frühstück.
Den Lehrerinnen oder Eltern können auf Wunsch Ideen/gesunde Zusammenstellungen für den Inhalt einer Brotdose und die Erarbeitung eines pädagogischen Belohnungs- und Dokumentationssystems zur Verfügung gestellt werden.

Die Schüler*innen

  • wissen, dass ein gesundes Schulfrühstück wichtig ist, um gesund zu bleiben und um gut lernen zu können,
  • können Zutaten für ein gesundes Schulfrühstück nennen,
  • erkennen und erklären, dass sie bei ihrem Schulfrühstück auf süße und klebrige Nahrungsmittel verzichten sollten, da in der Schule, anders als noch im Kindergarten, die Zähne aus organisatorischen Gründen nicht mehr geputzt werden können.

Thema der anschließenden Einzelstunde ist „Die praktische Zahnpflege“.
Diese liegt zeitlich nach der großen Pause. Die Schüler*innen hatten Gelegenheit, sich auf dem Schulhof zu erholen.
Um sie gedanklich zum Thema zurückzuführen, können die bereits besprochenen Inhalte mit eingebauten Bewegungsspielen oder pantomimisch untermauert werden.

Beispiel:
Wir versammeln uns im Kreis, werden ganz ruhig und konzentrieren uns, denn:
Wir wollen uns in Zähne verzaubern. Mit geschlossenen Augen wird gemeinsam ein Zauberspruch gesprochen. Wir sind nun Zähne!
Diese wohnen in einem großen Mund und freuen sich, denn sie bekommen Arbeit. Unterschiedliche Nahrungsmittel müssen nun gekaut werden.
Handelt es sich z.B. um eine leckere, knackige Möhre, machen alle „Zähne“ mindestens 20 Kniebeugen, um sie zu zerkleinern. Kommt aber eine Milchschnitte, wird nur zwei Mal träge gekaut. Die Beispiele können beliebig ausgedehnt werden. Anschließend wird pantomimisch dargestellt, wie klebrig und unwohl die Zähne sich fühlen, weil Essensreste an ihnen kleben. Aus Angst, dass sie Karies bekommen, rufen sie laut nach der Zahnbürste. Mit einem Zahnputzspruch werden alle Zähne pantomimisch von allen Seiten gründlich gereinigt und fühlen sich nun stark und sauber und riechen gut.

Nachdem sich die Kinder und der/die Kariesprophylaxeberater*innen in Menschen zurückgezaubert haben, werden die Zähne geputzt. Altersgerechte Zahnbürsten und Zahnpasta (mit dem entsprechenden altersgerechten Fluoridgehalt) hat der/die Kariesprophylaxeberater*in mitgebracht.

Unter ihrer Anleitung putzen die Schüler*innen in kleinen Gruppen die Zähne. Die übrigen Kinder arbeiten währenddessen an ihren Tischen und vertiefen das Gelernte mit Arbeits- und Malbögen.

Die Schüler*innen

  • können unter Anleitung die Zähne putzen.
  • erfahren, dass sie sich im Zahnwechsel befinden und wissen, dass die bleibenden Zähne mit altersgerechter (z.B. Junior-) Zahnpasta geputzt werden sollen.
  • können ihren Lernerfolg durch die Bearbeitung von Arbeits- und Malbögen zeigen und vertiefen.

Die Unterrichtseinheit wird mit der Verabschiedung und dem ausdrücklichen Hinweis eines weiteren Besuches im zweiten Schuljahr beendet.

8.2 Zweites Grundschuljahr Doppelstunde „Zahnwechsel, Bau, Funktion und Leistung der Zähne“ und „Warum drei Minuten Zähne putzen?“

Das Thema „Zahnwechsel“ greift unmittelbar die Situation der nun 7- bis 8-jährigen Schüler*innen auf.
Jedes Kind weiß über seine Erlebnisse mit „Wackelzähnen“ zu berichten und hat dazu im Eingangsgespräch auch Gelegenheit. Insgesamt ist der Zahnwechsel aber für die Schüler/innen ein abstrakter Vorgang. Eine Folie, die das schrittweise Wachsen des bleibenden Zahnes und damit das „Herausschubsen“ des Milchzahnes auf Grund seiner Wurzelresorption zeigt, macht diesen Prozess verständlich. An einem Wechselgebissmodell aus Plexiglas wird dieser Vorgang in anderer Form veranschaulicht.

Um den unterschiedlichen Bau der Zähne und ihre jeweilige Funktion zu erarbeiten, erhält jedes Kind einen Taschenspiegel mit dem Auftrag, Mundhöhle und Zähne genau anzuschauen.
Die Bedeutung von Lippen und Zunge, die Unterschiede bei Schneide-, Eck- und Backenzähne und ihre spezifischen Aufgaben werden im Anschluss theoretisch besprochen.
Praktisch wird ausprobiert, welche Geräusche oder Grimassen man mit den Lippen machen kann, und wir lassen die Zunge in unserem Mund turnen.
Mit den Armen wird die Bewegung der Schneidezähne, ähnlich der einer Schere, dargestellt. Wir lassen die Eckzähne reißen und hacken. Die Backenzähne zermahlen die Nahrung, indem wir die Handflächen aneinander reiben.

Die Schüler*innen

  • wissen, dass Menschen zwei Mal im Leben natürliche Zähne bekommen,
  • können die Begriffe „Milchzähne“ und „bleibende Zähne“ erklären und wissen, dass auch Milchzähne Wurzeln haben.
  • erkennen, warum ein Milchzahn wackelt und ausfällt und können den Vorgang mit eigenen Worten erklären.
  • können Schneidezähne, Eckzähne und Backenzähne benennen sowie Unterschiede in Bau und Funktion erkennen und erklären.
  • kennen die Bedeutung der Lippen für Sprache und Nahrungsaufnahme.
  • wissen, dass wir die Zunge zum Schmecken, Sprechen und Essen brauchen.

Das zweite Thema „Warum drei Minuten Zähne putzen?“ beinhaltet wieder die praktische Zahnpflege.

Zuvor wird erörtert, dass eine gründliche Reinigung aller Zahnflächen mindestens drei Minuten braucht und die Zahnpasta während dieser Zeit Gelegenheit hat, die Zähne zu schützen.
Die Zahnpflege findet in kleinen Gruppen unter Anleitung des/der Kariesprophylaxeberater*in statt, für die Schüler*innen an den Tischen liegen Arbeitsblätter und Rätsel zum Thema bereit.
Vor dem Putzen werden die Verortung und das Aussehen der Beläge besprochen. Nach drei Minuten wird mit der Zunge gefühlt, ob die Zähne frei von Belägen sind. Die Schüler*innen können sehr stolz auf ihre sauberen Zähne sein. Für die guten Ergebnisse werden sie ausdrücklich gelobt.

Die Schüler*innen

  • können unter Anleitung die Zähne gründlich reinigen,
  • wissen, dass eine gründliche Reinigung aller Zahnflächen mindestens drei Minuten braucht,
  • wissen, dass während der drei Minuten wichtige Inhaltstoffe der Zahnpasta in die Zähne einziehen und sie schützen.

8.3 Einzelstunde „Die zahngesunde Ernährung“

Inhalte und Ziele
Der Unterricht beginnt mit einem kurzen Rückblick auf die letzte Stunde.
In Anlehnung an bekannte Quiz-Sendungen wie „Wer wird Millionär?“ oder „Eins, Zwei oder Drei?“ wird das Gelernte spielerisch abgefragt, wiederholt und gefestigt. Der/die Kariesprophylaxeberater*in spart nicht mit Lob, weil die Schüler*innen so viel gelernt und behalten haben.

Im Anschluss wird die Ernährung thematisiert.

Digitale Bilder/Geschichten über Ernährung, Nahrungsmittelattrappen, Arbeitsblätter, Folien oder auch eine Geschichte bieten sich an, mit den Schüler*innen erneut zu erarbeiten, welche Nahrungsmittel für die Zähne gesund oder schädlich sind.
Erweitert wird das Thema durch die Bezugnahme auf wichtige Nährstoffe (Eiweiß, Vitamine, Ballaststoffe), die in gesunder Nahrung enthalten sind und die unser Körper täglich braucht, um gesund zu bleiben.
Beispiele:

  • Eiweiß und Kalzium sind wichtige Inhaltsstoffe in Milch/Milchprodukten, Sojaprodukten und Fisch, die den Knochen, den Organismus stärken und damit auch indirekt die Zahngesundheit unterstützen.
  • 5-mal am Tag Vitamine in Obst und Gemüse halten uns gesund und beugen Infekten vor.
  • Warum ist ein Vollkorn- oder Körnerbrot gesünder als Weißbrot?
  • Zur Abrundung und Vertiefung des Gelernten bekommen die Schüler*innen zum Abschluss der Stunde die Aufgabe, ein Arbeitsblatt oder Rätsel zu bearbeiten.

Die Schüler*innen

  • festigen ihr Wissen über zahngesunde und -schädigende Nahrung,
  • können die Unterschiede zwischen zahngesunder und -schädigender Nahrung erkennen und beschreiben,
  • beschreiben die Auswirkungen zahnschädigender Nahrung und wie sie diese verhindern können,
  • kennen wichtige Nährstoffe, wissen, in welchen Nahrungsmitteln sie enthalten sind und beschreiben die positiven Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit.

8.4 Drittes Grundschuljahr Doppelstunde „Zahnaufbau“ und „Kariesentstehung und Folgen unbehandelter Zahnschäden“

Inhalte und Ziele
Der Einstieg in die Stunde beginnt mit einer kurzen Wiederholung bekannter Lerninhalte.
Wurde bisher das gesamte Gebiss in Aufbau und Funktion betrachtet, steht nun der einzelne Zahn im Mittelpunkt.
Die Fülle theoretischer Inhalte des Themas „Zahnaufbau“ verlangt von den Schüler*innen sehr viel Konzentration. Um die recht abstrakten Lerninhalte verständlich zu vermitteln, bedarf es besonders anschaulicher Materialien und Medien.

Beispiele:
An Hand eines großen, demontierbaren Backenzahnmodells werden die äußeren Bereiche des Zahnes und nachfolgend seine inneren Schichten benannt sowie in ihrer materiellen Beschaffenheit und Funktion bestimmt.
Die überdimensionale Größe des Zahnmodells ist eine Attraktion und stärkt die Aufmerksamkeit der Schüler*innen. Sie dürfen es anfassen, auseinandernehmen und die unterschiedliche Beschaffenheit von Zahnschmelz, Zahnbein (Dentin) und Zahnmark (Pulpa) ertasten.
Oder:
In einem Rollenspiel wird mit farbigen Tüchern der Aufbau eines Zahnes nachgestellt. Einige Kinder sind aktiv als Teile des Zahnes in das Spiel einbezogen, andere verfolgen das Spiel als Zuschauer und beteiligen sich mündlich.

Die Schüler*innen

  • können die äußeren Bereiche des Zahnes als Zahnkrone, -hals und -wurzel benennen und örtlich bestimmen,
  • können die Aufgaben von Zahnkrone und Zahnwurzel beschreiben,
  • können den inneren Aufbau eines Zahnes erkennen und beschreiben,
  • kennen die Begriffe Zahnzement, Zahnschmelz, Zahnbein (Dentin) und Zahnmark (Pulpa), können deren Funktionen unterscheiden und beschreiben,
  • erkennen, dass ein Zahn ein lebendiger Teil unseres Körpers ist und über den Blutkreislauf versorgt wird.

Auf der Grundlage des Gelernten wird das nächste Thema „Kariesentstehung und Folgen unbehandelter Zahnschäden“ erörtert.

  • Was ist Karies?
  • Wie entsteht Karies?
  • Welche Rolle spielt die Zeit bei der Kariesentstehung?
  • Welche Auswirkung hat häufiger Zuckerkonsum?
  • Weshalb soll der Zahnarzt die Zähne zweimal jährlich kontrollieren?
  • Welche Auswirkungen können unbehandelte Zahnschäden haben?
  • Wie kann ich meine Zähne vor Karies schützen?

All diese Fragen werden gemeinsam im Unterrichtsgespräch beantwortet. An der Tafel wird die Kariesentstehung schriftlich festgehalten.
Mit lösungsmittelhaltigem Klebstoff, auf ein Stück Styropor aufgetragen, wird die ätzende Wirkung von Säure auf den Zahnschmelz eindrucksvoll und anschaulich nachgestellt.
Zudem wird herausgehoben, dass infolge einer unbehandelten Karies Bakterien über den Blutkreislauf in den Körper gelangen und Entzündungen verursachen können.

Die Schüler*innen

  • können den Begriff Karies als Zahnkrankheit erklären.
  • können die Kariesentstehung und ihre ursächlichen Faktoren erkennen und mit eigenen Worten wiedergeben.
  • wissen, dass die regelmäßige Kontrolle durch den Zahnarzt größere Zahnschäden verhindern kann.
  • erkennen, dass durch einen zerstörten, unbehandelten Zahn andere Krankheiten im Körper entstehen können.
  • wissen, dass die regelmäßige gründliche Zahnpflege und die Einschränkung des Zuckerkonsums das Kariesrisiko senken. Auch bei diesem Besuch wird die praktische Zahnpflege mit den Kindern geübt.

Viele Schüler*innen haben im Zuge der Individualprophylaxe bereits eine andere Putztechnik gelernt. Ab der dritten Klasse stellt der/die Kariesprophylaxeberater*in die modifizierte Basstechnik vor.
Aufgrund der komplexen Technik putzt er/sie mit kleinen Gruppen dennoch in der bereits bekannten Putztechnik die Zähne, während die übrigen Schüler*innen mit Arbeitsblättern beschäftigt sind.

8.5 Einzelstunde „Ernährung“

Inhalte und Ziele
Wie schon im zweiten Schuljahr beginnt die Einzelstunde mit einer spielerischen Lernzielkontrolle. Stellt der/die Kariesprophylaxeberater*in Lücken oder Unklarheiten fest, werden diese korrigiert.
Über viele Jahre hinweg hat er/sie wiederholt die Ernährung mit den Kindern thematisiert. Alle Schüler*innen wissen zahngesunde von zahnschädigender Nahrung zu unterscheiden.
Mittels einer Ernährungspyramide oder über den Lebensmittelkreis werden nun unterschiedliche Nahrungsmittel einzelnen Gruppen zugeordnet.
Vor- und Nachteile der einzelnen Gruppen und ihre Auswirkungen auf unsere Gesundheit werden erörtert.
In Gruppen- oder Einzelarbeit stellen die Schüler*innen anschließend ein ausgewogenes Schulfrühstück oder eine andere Mahlzeit zusammen.

Die Schüler*innen

  • können die Ernährungspyramide oder den Lebensmittelkreis deuten und unterschiedliche Nahrungsmittel den einzelnen Gruppen zuordnen,
  • können die Vor- und Nachteile der einzelnen Gruppen darstellen,
  • können ein ausgewogenes Frühstück/eine Mahlzeit zusammenstellen und ihre Auswahl der Zutaten begründen.

Oft ergibt es sich, dass der/die Kariesprophylaxeberater*in während der Frühstückspause zugegen ist. Ein Blick in die Brotdose zeigt, dass die meisten Schüler*innen ein gesundes, ausgewogenes Frühstück in die Schule bringen.
Auffällig ist jedoch seit einigen Jahren die Menge der stark gezuckerten und säurehaltigen Getränke, oft in sogenannten „Sportlerflaschen“, die zum ständigen Verzehr und „Dauernuckeln“ anregen. Die Auswirkungen dieser Trinkgewohnheiten werden daher immer häufiger Gegenstand des Unterrichtes in allen Jahrgangsstufen.

8.6 Viertes Grundschuljahr „Die vier Säulen der Zahngesundheit“ und „Der Zahnarztbesuch“

Inhalte und Ziele
Durch die flächendeckende und regelmäßige Betreuung verfügen die Schüler*innen über ein umfangreiches Wissen zum Thema Zähne und Zahngesundheit.
Ein Quizbogen mit Fragen zu den vier Säulen der Zahngesundheit:

  • Mundhygiene
  • zahngesunde Ernährung
  • regelmäßiger Zahnarztbesuch
  • Fluoride

bietet ihnen zunächst Gelegenheit, ihr Wissen aufzufrischen.

Die Themen „Mundhygiene“ und „Zahngesunde Ernährung“ werden bei der Auflösung des Quiz nur noch kurz erwähnt, die beiden anderen eingehend bearbeitet.

Viele Schüler*innen kennen das Wort „Fluoride“, wissen, dass sie in Zahnpasta enthalten sind, haben aber oft nur eine vage Vorstellung, was sie bewirken.
Im Unterrichtsgespräch berichten Kinder zunächst, welche Art von fluoridhaltigen Mitteln sie anwenden und wer sie ihnen empfohlen hat.
Anschließend untersuchen die Schüler*innen in Gruppenarbeit unterschiedliche Verpackungen fluoridhaltiger Zahnpasten, Mundwässer, Gelee, Kochsalz usw. hinsichtlich Produktbeschreibung, Fluoridzusammensetzung und -gehalt. Die Ergebnisse werden von einem Gruppensprecher vorgetragen, schriftlich an der Tafel fixiert und diskutiert.

Anschaulich wird in der Folge der Zahnarztbesuch thematisiert.
Einige Schüler*innen haben Gelegenheit, von ihren Erfahrungen zu berichten.

Die Schüler*innen

  • kennen die Bedeutung der Mundhygiene,
  • kennen die Vorteile einer zahngesunden Ernährung,
  • haben Kenntnis über die schützende Wirkung von Fluoriden,
  • können unterschiedliche Produkte mit geringem und hohem Fluoridgehalt nennen,
  • wissen, dass Fluoride in unterschiedlichen Zusammensetzungen vorkommen,
  • wissen, dass der Zahnarzt zweimal jährlich die Zähne kontrollieren sollte und können das begründen,
  • können schrittweise nachvollziehen und wiedergeben, wie ein kariöser Zahn saniert wird,
  • können die Notwendigkeit einer Zahnsanierung beschreiben.

Zum letzten Mal während ihrer Grundschulzeit putzen die Schüler*innen mit dem/der Kariesprophylaxeberater*in die Zähne. Der/die Kariesprophylaxeberater*in kann individuelle Tipps geben und das einzelne Kind motivieren, weiterhin auf die Zahngesundheit zu achten.

8.7 Einzelstunde „Zucker, der Feind meiner Zähne“

Inhalte und Ziele
Inhalt dieser Stunde ist es, den Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und Säurebildung zu erarbeiten.
Den Zuckergehalt in Nahrungsmitteln oder Getränken auszumachen und in Form von Zuckerstückchen abzuzählen, ist immer wieder eine eindrucksvolle Demonstration. Auf jeder Umverpackung von Nahrungsmitteln, auf Getränkeflaschen und -dosen ist u.a. der Anteil der Grundnährstoffe Fett, Eiweiß und Kohlenhydrate in einer Nährwerttabelle angegeben.

An einer kleinen Auswahl gängiger, bei Grundschulkindern besonders beliebten Produkten, wird gemeinsam der Zuckeranteil errechnet.
Nach wie vor wird auch bei der Erörterung dieses Themas kein striktes Verbot von Süßigkeiten ausgesprochen. Die Schüler/innen sollen vielmehr auf Grund ihres Wissens zu einem bewussten Umgang mit zucker- und säurehaltigen Nahrungsmitteln und Getränken angehalten werden.
Abschließend wird noch einmal die schützende Wirkung der Fluoride besprochen. Mit einem Fluorid-Test, bekannt aus der Fernsehwerbung, wird mittels eines Eies, Fluorid-Gel und Essig sowohl die ätzende Wirkung von Säure als auch die Schutzwirkung der Fluoride eindrucksvoll und anschaulich dargestellt.

Die Schüler*innen

  • kennen den Zusammenhang von Zuckerkonsum und Säurebildung,
  • kennen die Nährwerttabelle auf Umverpackungen und können an Hand dieser den Zuckeranteil in Nahrungsmitteln und Getränken bestimmen,
  • kennen die schützende Wirkung von Fluoriden.

Schüler*innen, Lehrer*innen und Kariesprophylaxeberater*in haben sich am Ende der Stunde vier Jahre kontinuierlich mit dem Thema „Zahngesundheit“ auseinandergesetzt.
Eine letzte Motivation, weiterhin auf die Gesundheit der Zähne und des Körpers zu achten, gibt der/die Kariesprophylaxeberater*in bei der Verabschiedung, indem er/sie betont, wie viel die Kinder nun wissen und können sagen, dass er/sie sie immer gerne besucht hat. Er/Sie bedankt sich bei den Schüler*innen, aber vor allem auch bei der Lehrkraft für die Unterstützung über die lange Zeit.


9 Kooperation mit niedergelassenen Zahnärzten

Ergänzt wird das Unterrichtsangebot durch die Mitwirkung der niedergelassenen Zahnärzt*innen im Zahnfrühling. Die sogenannten Patenzahnärzt*innen laden Grundschulklassen aus dem 3. Schuljahr zu Praxisbesuchen zu sich ein.
Der/die Kariesprophylaxeberater*in ist vermittelnd tätig, indem er/sie einerseits Schulleitung und Lehrkräfte auf die Möglichkeit des Praxisbesuches hinweist, welche Praxis sich in der näheren Umgebung bereit erklärt hat im Zahnfrühling mitzuwirken. Bei positiver Rückmeldung durch die Zahnarztpraxis wird die jeweilige Zahnarztpraxis von dem Gruppenprophylaxebeauftragten der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) über die Konditionen, Aufgaben informiert. Nicht Bestandteil des Praxisbesuches sind Behandlungen oder Lernelemente, die im Rahmen der gruppenprophylaktischen Aktivitäten des/der Kariesprophylaxeberater*in durchgeführt werden. Unterrichtsbesuche und Praxisbesuche können so ineinandergreifend möglichst aufeinander abgestimmt umgesetzt werden.

10 Kariesrisikobetreuung

Schulen, in denen bei den Reihenuntersuchungen ein vermehrtes Kariesaufkommen ermittelt wurde, erhalten im Rahmen der Kariesrisikobetreuung eine intensiv-prophylaktische Versorgung.
Pro Schulhalbjahr, im Abstand von sechs Monaten, erhalten die Schüler*innen an

  • 22 Grundschulen
  • 7 Förderschulen an 10 Standorten
  • 1 Hauptschule
  • 1 Gesamtschule

eine Fluoridapplikation mit einem Fluoridlack.

Die Besuche erfolgen immer gemeinsam mit einem Team des Zahnärztlichen Dienstes des Gesundheitsamtes.
In einem Schulhalbjahr finden gleichzeitig Reihenuntersuchungen statt. Der/die Kariesprophylaxeberater*in trägt unmittelbar nach der Untersuchung durch die Zahnärztin/den Zahnarzt den Fluoridlack oder das Fluid auf die Zähne der Kinder auf, deren Einverständnis hierzu vorliegt.
Im nächsten Schulhalbjahr erfolgt diese Maßnahme gemeinsam durch die Zahnärzt*innen und dem/der Kariesprophylaxeberater*in.
Die Zahnmedizinische Fachassistentin (ZFA) verwaltet die nötigen Unterlagen, dokumentiert die Aktivitäten und sorgt für einen reibungslosen Ablauf.
Der bürokratische Aufwand im Vorfeld der Fluoridapplikation ist umfangreich und zeitintensiv und wird federführend von dem/der leitenden Kariesprophylaxeberater*in umgesetzt.

Er/sie plant alle Termine für die Mitarbeiter*innen, bereitet die notwendigen Unterlagen vor und erstellt die anschließende Dokumentation.
Der/die für die Schule zuständige Kariesprophylaxeberater*in unterstützt sie, indem er/sie die aktuellen Klassenlisten beschafft und das für die Applikation erforderliche schriftliche Einverständnis der Erziehungsberechtigten einholt.

11 Die Arbeit in der Offenen Ganztagsschule – OGS

Die OGS bietet den Schüler*innen eine Betreuung bis in den späten Nachmittag. Der/die für die Schule zuständige Kariesprophylaxeberater*in ist auch verantwortlich für die Betreuung der OGS.
Der Schwerpunkt seiner/ihrer Arbeit liegt hier auf der beratenden Unterstützung der pädagogischen Fachkräfte mit dem vorrangigen Ziel, die Zahnpflege nach dem Mittagessen in den Tagesablauf zu integrieren.
So werden z.B. gemeinsam Lösungen gefunden, wie trotz räumlich eingeschränkter Bedingungen Zahnpflegeutensilien hygienisch aufbewahrt werden können, wie aufgrund von Personalmangel die Zahnpflege trotzdem durchgeführt oder wie die Zahnpflege zeitlich in einen straffen Terminplan integriert werden kann. Zudem bietet sie Aktionen für die Schüler*innen zu Themen rund um die Zahngesundheit an.

12 Sonstige Aufgaben

Zum „Tag der Zahngesundheit“ wird jedes Jahr um den 25. September herum eine besondere Aktion angeboten, bei deren Planung, Vorbereitung und Durchführung das ganze Team beteiligt ist.
Außerdem wird auch außerhalb der gruppenprophylaktischen Aktivitäten der Kontakt zu Kindertagesstätten und Schulen gepflegt, Multiplikatoren aus den Berufsschulen nach Möglichkeit geschult und Schulungs- sowie Beratungsangebote für vulnerable Gruppen im Setting, insbesondere in Elterncafés und anderen Begegnungsstätten je nach Personalstärke bereitgestellt.
Jede Einrichtung erhält vor den großen Ferien einen „Sommerbrief“ und zu Weihnachten Grüße, verbunden mit einem Dank an alle pädagogischen Fachkräfte für ihre Mitarbeit und Unterstützung bei der Umsetzung der Ziele der AG Zahn. Die Grußkarten werden in Teamarbeit von dem/den Kariesprophylaxeberater*innen entworfen und selbst hergestellt.

Gruppenprophylaxekonzept der AG Zahn
Herausgeber: Aktion Zahngesundheit
Verantwortlich: Dr. Angela Bergmann
Konzept nach Dr. Michael Schäfer, Angelika Burandt und Hildegard Schmidt, angepasst von Dr. Angela Bergmann (SGL) und Sofia Makridou (Teamleitung Kariesprophylaxe) im Jahr 2025